Das Häuslingsproblem
Die Klagen des Amtmanns Isenbarth zielen in besonderem Maße auf das Problem der sogenannten Häuslinge. Schon 1649 hat sich sein Vorgänger darüber erregt. Hierfür war wohl der Umstand verantwortlich zu machen, dass diese Gruppe der Bevölkerung entweder überhaupt keine oder nur geringe Steuern entrichtet hat. Der Gesamtheit werden sie schon deshalb kaum zur Last gefallen sein, weil sich ein großer Teil als Helfer auf den Höfen betätigte und sich geschickte Handwerker unter ihnen befanden. Nicht zuletzt: Aus ihren Familien rekrutierte sich hauptsächlich der Nachwuchs für das Militär. Aber sie brachten auch Geld ins Land. Aus dem Amt Bruchhausen zogen im Jahre 1767 allein 114 Mann hinaus ins benachbarte Holland, wo sie Gras mähten, Deiche bauten und Kanalbau betrieben. Nach 3 Monaten harter Arbeit brachten sie nach eigenen Angaben etwa 20 – 150 Taler Bargeld nach Hause. Die Zahl für 1780 weist sogar 128 Hollandgänger aus. Im benachbarten Amt Ehrenburg machten sich 1767 = 415 auf die Reise, aus der Grafschaft Hoya über 1000. Wie es tatsächlich in Bezug auf Häuslinge ausgesehen hat, ist aus Affinghausen mit Zahlen zu belegen. Hier waren 1770 sieben Familien vorhanden. 4 von ihnen standen bei Bauern im Tagelohn. Eine alleinstehende Frau dürfte sich den Lebensunterhalt durch Spinnen und Weben verdient haben. Das wird ebenso bei der „Soldatenfrau“ der Fall gewesen sein. Die Letztgenannte bezeichnet man als alt (nicht aber arm ). Demnach hat es in Affinghausen keine Bettler gegeben - und im ganzen Kirchspiel sind 30 Häuslingsfamilien gezählt worden.
Wenn ein Jahr nach Ende des 30jährigen Krieges gestöhnt wurde, „die Dorfschaften (säßen) voller Häuslinge, die tatsächlich volkreicher werden“ so ist das denn dem 7jährigen Kriege (1756- 1763) und nach 1815 bemerkenswert .
Roggen und Kartoffeln
Ein Problem war der Daueranbau von Roggen und der außerordentliche Düngermangel. Der Körnerertrag auf den ausgelaugten Äckern soll höchstens das 3 – 4fache der Aussaat ergeben haben. Missernten in nassen Jahren oder Hagelschlag brachten verheerende Hungersnöte mit sich. Da das Vieh meist nicht im Stalle stand, fehlte der Naturdünger. Gewöhnlich musste eine Düngung für 4 Jahre reichen. Der Versuch, im Jahre 1755 den Kartoffelanbau in Affinghausen heimisch zu machen, scheiterte wohl daran, dass man den neumodischen Knollen kein Vertrauen entgegenbrachte. Zum Durchbruch dürften die Hungerjahre 1775 verholfen haben. Man hatte den „kleinen Leuten“ immerhin 15 Morgen Land zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt. Aber nicht Kartoffeln hat man dem Boden anvertraut, sondern die neuen Äcker wurden von den Betroffenen wie eh und je mit Roggen bestellt.
Ertragreiche Wiesen und Weiden
Im Jahre 1800 äußerte sich ein Superintendant Ritscher in den „Annalen der Niedersächsischen Landwirtschaft“ über die Verhältnisse im Gebiet des Oberwaldes. Er stellte fest, hier befänden sich gute Felder, ertragreiche Wiesen und Weiden. Ja, man habe schon versuchsweise Reis angebaut. Viele zögen Vieh zum Verkauf. Das scheint die Angaben des Amtmanns Isenbarth insofern zu unterstreichen, als hier ein gewisses Übergewicht der Viehzucht bestanden hat. Denn der ertrag von Wiese und Weide kam ja vor allem dem Vieh zugute. Insofern reden die Zahlen von der Ausfuhr von Butter und Wolle eine deutliche Sprache, ebenso wie der Hinweis auf den Viehverkauf nach Bremen, Oldenburg und Holland. Schließlich hat das etwa 3mal soviel erbracht als der Roggenverkauf. Daneben ist die Leinenerzeugung hervorzuheben. Nicht wenige Hollandgänger haben in ihren Bündeln z.B. Leinwand über die Grenze zum Verkauf mitgenommen. Als wesentliches Ergebnis wird man feststellen können, dass seit ältester Zeit der „Außenhandel“ aus der Grafschaft Bruchhausen – später dem gleichnamigen Amt dieses Namens – vorwiegend auf die Hansestadt Bremen orientiert gewesen ist.
Zunahme der Bevölkerung
Über die Folgen des 30jährigen Krieges herrschen durchweg falsche Vorstellungen. Die Verallgemeinerungen über gewaltige Verluste durch Pest, Wüstwerden von Dörfern, Rauben und Morden sind keineswegs für dieses Gebiet zutreffend. Eher ist das Gegenteil der Fall. Nachrichten über Pesttote halten einer genaueren Überprüfung kaum stand. Hier haben vor allen Dingen die Plünderungen durch versprengte Trupps sowie das Erpressen von Geld, Lebensmitteln und hohen Kriegssteuern für Schäden gesorgt. Insbesondere die Wegnahme von Vieh wirkte sich nachteilig aus, und die im Lande liegende oder zu unterhaltende Besatzung (Freund wie Feind) hat ihre Forderungen notfalls mit Gewalt eingetrieben.
Ein paar Zahlen reden da eine andere Sprache. Die Listen verzeichnen 1608, also vor Kriegsbeginn, in Affinghausen 6 Meierhöfe, 6 kötner und 8 Brinksitzer – stellen – zusammen 20 Höfe. 1649 ist die Häuserzahl nicht etwa geringer – sie wird 2 Jahrzehnte danach sogar mit 25 und 1715 mit 26 beziffert .
Als dann 1753 die Brandkassen – Nummern eingeführt werden, zählt man bereits 41 Stellen. Der größte Schub ist jedoch zwischen 1790 und 1820 erfolgt, als 20 weitere Häuser hinzugebaut wurden. Ein neuer ist dann nach der Aufteilung des Oberwaldes zu verzeichnen.Wir können demnach von einer stetigen Bevölkerungszunahme sprechen, die selbst in schlimmen Kriegszeiten nicht zum Stillstand gekommen ist. Allerdings ist diese Entwicklung z.B. in Bensen nicht in demselben Maße erfolgt, wie die vorliegenden Daten verdeutlichen werden; hier verlief sie insgesamt wesentlich langsamer.
Affinghausen : Bensen :
1608 – 20 Höfe 1608 – 12 Höfe
1667 – 25 Höfe 1608 – 13 Höfe
1755 – 41 Höfe 1608 – 16 Höfe
1819 – 61 Höfe 1608 – 16 Höfe
Die Anzahl der vorhandenen Haus – und Hofstellen
Auf wenige Seiten ist ein Abriß aus der Vergangenheit von Affinghausen dargestellt worden. Damit soll weder eine Chronik noch Geschichte des Dorfes noch seiner Ortsteile vorgestellt werden. Es hat sich darum gehandelt, den Menschen einen Eindruck aus vergangenen Tagen zu vermitteln: wie haben ihre Vorfahren gelebt, wie sind sie mit Natur und Lebensumständen fertig geworden? Aus dem Gesagten dürfen 2 wesentliche Tatsachen herausgestellt werden: Da ist erstens die Zugehörigkeit zur ehemaligen Grafschaft Bruchhausen und später dem Amt, das diesen Namen getragen hat. Zweitens die bereits in frühkirchlicher wie mittelalterlicher Zeit nachzuweisenden Beziehungen zur Freien und Hansestadt Bremen, die immer wieder augenscheinlich hervortreten. Darüber hinaus mag der eine oder andere aus der Zusammenstellung die Anregung erhalten, sich mit der Vergangenheit der eigenen Familie oder des Heimatdorfes zu beschäftigen oder aber gar mitzuforschen. Vielleicht wird dann aus den hier aufgezeichneten Bruchstücken auch eines Tages die Chronik oder Geschichte von Affinghausen .
Einwohnerlisten Affinghausen
1.Oberwaldleute 1576 : Johann Eilers, Helmerich Papenhausen
2.Höfeliste 1608 : ( Hann.Des.74 Bruchh.Nr.26 ) :
Meier: Hinrich zum Hagen (=Hagemann), Hermann Ruhe, Johann Eylers, Bartelt Kolebeke, Evert Brammerbusch, Hinrich Pape
Kötner: Johann Bolemann, Reneke Rolffs, Dirich Meineke, Wilhelm Eylers, Eyler Ravens
Brinksitzer: Reneke Ruhe, Eyler Rademacher, Rolves Gebbecke, Eyler uff Kyhle, Everdt Wendt,
Eyler Ravens, Heineke Heidemann, Enderß Meineke
3. Oberwaldleute 1613 : Johann Eylers, Johann Pape(nhusen) und Harmen Ruge (Ruhe)
4. Huldigung 1658 : (Hann.74 Bruchh.Nr.26) :
Meier: Die Hagemannsche, Hinrich Ruge, Johann Kelebeck, Brammelbusch, Alfeke Gehrke, Toleke Pape, Harmen Hildemann, Johann Niemeyer, Hinrich Eilers
Köstener: Gerbert von Dorinchlo, Hermann Ruge, Albert Meineke, Hildemann Voß,
Bolemann im Ellernbracken, Ribbeke Eilers
Brinksitzer: Jost Heins, Reineke Scheffer, Johann vorm Mohr, Johann Eilers, Dietrich Rafen, Müseken Stelle, Hinrich Rolefs, Eiler Benßemann (Unterfogt), Reineke Ruge (Untervogt), Brebbermann,
Hinrich Hildemanß, Eiler Koröde
5. Hofliste 1660 : (Hann.74 Bruchh.Nr.12) :
Vollmeier: Heinrich zum Hagen, Heinrich Ruge
Halbmeier: Wohler Kohlebeke, Hinrich Hillmann, Johann Niemeyer, Johann Brammerbusch, TölkePape, Harmen Ehlers, Gerd Alfke
Köstner: Johann Bollmann, Reineke Voß, Johann Menke, Johann Rafens,
Bruning Garberß, Hermann Ribken
Brinksitzer: Hellmerich Berenß, Jacob Schaper, Reinke Elers, Johann Rafens, Roleff Bensemann, Bortold Ruge, Johann fürm Mohre
Kleinbrinksitzer: Carsten Bollmann, Harrier Rolff, Reinke Brebbermann, Harm Kohtrade
6. Oberwaldleute 1665 : (Hann.74 Bruchh.Nr.16) : Harmen Ruhehorn, Hinrich zum Hagen, Johann Kohlebeeke, Johann Eilers, Heinrich Papier, Hilberich zu Wiefhausen
7. Wüste Höfe 1679 : (Hann.74 Bruchh.Nr.3) : Der Zweidrittelmeier Hinrich Hillmann, dem Amt Bruchhausen gehörig – der Halbmeier Gerd Alfken, dem Herrn v.Staffhorst gehörend
8. Oberwaldleute 1696 : (Hann.88 B Bruchh.Nr.441) :
Heinrich Hilbers, Klauß Hagemann, Johann Ruge, Hilmar Kolebeke, Hinrich Elers, Hermann Pape
9. Die Musterung vor dem 7jährigen Krieg 1755 : (Hann.9 E Nr.67) :
Vollmeier: Stats Otto Hagemann, Carsten Runge (Söhne Johann und Hinrich)
Zweidrittelmeier: Johann Hillmann (Sohn Wohler)
Halbmeier: Gerd Alfken Brüder Dietrich und Wohler),
Joachim Kehlbeck (Söhne Hilmar +Christoph), Johann Ehlers,Johann Brammerbusch (Sohn Johann) Köstner: Johann Heinrich Ravens (Bruder Gerd und J.Hinrich),Jost Hinrich Ripke ( Bruder Harm dient als Reiter )
Brinksitzer: Gerd Hartwig (Sohn Christian,Wilhelm), Johann Ehlers (Brüder Lüder und Hartje,Adam),
Hinrich Ravens sen.(Sohn Bernd,Hinrich ), Harm Bensemann (Sohn Lürke und J.Diedrich),Hinrich Wencke (Sohn Dietrich), Albert Dietrich Mencke (Sohn Reineke), Hinrich Kielmeyer ( Sohn Johannes und Hinrich), Harm Bischof (Sohn Carsten und Albert), Albert Brebbermann (Sohn Albert),
Gerd Kohrode (Sohn Johann und Gerd Harm)
Häuslinge: Harm Ruge (Sohn Johann und Harm Hinrich), Elisabeth Hartjen (Sohn Jost Hinrich),
Witwe Meyer (Sohn Jost und Gerd), Joh.Hinrich Ehlers (Sohn Joh.Hinrich), Wilhelm Martens (Sohn
Joachim Friedrich), Claus Cordes Witwe (Sohn Hinrich),Jost Ruge ( Sohn Johann),
Schmidt (Sohn Dietrich), Johann Wellmann (Sohn Johann Dietrich)
Das sind 20 Hofstellen und 9 Häuslinge, von denen nur ein Teil in eigenen Häusern wohnte.
10.Zehntland 1766 : (Hann 88 B Bruchh.r.200) nach d. Alphabet :
Harm Dietrich Albers , Johann Bohlmann, Albert Brebbermann, Frantz Foß, Helmerich Heins,
Gerd Hartwig, Joachim Kehlbeck, Joh.Dietrich Köhler, Dietrich Menke, Joh.Friedrich Nienstedt,
Heinrich Menke, Johann Pape, Henrich Ravens jun., Johann Hinrich Ravens, Jost Hinrich Ripke,
Harm Rolfs, Jobst Ruges Witwe, Wohler Ruge, Harm Schapers Witwe, Johann (Moritz) Schröder,
Jobst Hinrich Sieke, Siemer Sievers, Johann Sielmeyer
11. Tagelöhner 1722 : (Hann.74 Bruchh.Nr.12) :
Arend Arends, Gesche Balke, Johann Eilers Frau, Albert Menke, Johann Menke, Witwe Metche
12. Brandkassen-Verzeichnis der Häuser des Kirchspiels Sudwalde
(Hann.Des.Dep.Nr.106.1273.1787 Hoaer Landschaft )
Affinghausen : Brandkassennummer + Besitzer
1.Wohler Ruge, 2.Johann Bohlmann, 3.Harm Bensemann, 4.Carsten Rolffs, 5.Franz Voß ,6. Franz Voß, 7.Hinrich Mencke, 8.Johann Ehlers, 9.Hinrich Ravens sen. , 10.Wilhelm Hartwig,
11.Johann Diedrich Köhler , 12.Albert Diedrich Mencke , 13.Harm Schäffer, 14.J.Alb.Ravens Witwe,
15.Jobst Hinr.Ravens jun. , 16.Garbert Albers, 17.Helmerich Heins, 18.Reineke Nienstädt ,
19.Jobst Hinr.Ripke, 20.Siemer Sievers, 21.Joh.Hinrich Pape, 22.Hinrich Kielmeyer ,
23.Johann Ehlers, 24.Carsten Ruge, 25.Joachim Kehlbeck, 26.Stats Otto Hagemann ,
27.Joh.Gerd Alffken, 28.Lüdeke Engelbarth, 29.Gerd Harm Kohröde, 30.Helmich Hillmanns Uwe,
31.Christian Niemeyer, 32.Johan Brammerbusch, 33.Albert Brebbermann, 34.Schule ,
35.Helmer Hartwieg , 36.Moritz Kimcker, 37.Jobst Ruge, 38.Wilhelm Niehuß ,
39.Jo.Heinrich Ehlers, 40.Joh.Hartwiegs Witwe,41.Johann Meyer, 42.Ahrend Kimcker ,
43.Marcus Kimcker, 44.Friedr.Hinrich Gieseln, 45.J.H.Wilh.Schlepegrell, 46.J.Diedr.Bensemann,
47.Tölke Röpke, 48.Harm Hinr. Schäffer, 49.Thölke Heidemann, 50.J.Hinrich Dieckmann,
51.Ludwig Kluessmann, 52.J.Albert Bückmann
Bis 1787 waren die Hausnummern 1 – 41 vorhanden.
Neubauten :
Nr.42 – 45: 1790
Nr.47 - 1793
Nr.48 - 1794
Nr.49 - 1801
Nr.50 - 1803
Nr.51 und Nr.52 - 1819
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